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Wir schreiben Code

Jan Stamer
I'm a passionate Coder and Software Architect, runner ­čĆâ and dad of 3 ­čŬ.
Originally published at Medium Ńâ╗3 min read

Wir Software Entwickler lesen und schreiben viel. Aber unser Genre ist nicht Belletristik und nicht Liebesromane. Wir lesen Code. In vielen Sprachen. Wir lesen und schreiben XML, SQL, Java oder JavaScript. Der eine bevorzugt Java, die andere PHP. Wenn wir schreiben sind wir genau und pr├Ązise, das m├╝ssen wir. Jedes Wort ist wichtig. Auch einzelne Zeichen k├Ânnen entscheiden ├╝ber Gewinn oder Verlust, manchmal auch ├╝ber Tod oder Leben. Deswegen m├╝ssen wir genau sein, genau schreiben ohne Missverst├Ąndnisse oder Kompromisse zuzulassen.

Wie ein Richter in seiner Urteilsbegr├╝ndung m├╝ssen wir eine Aufgabe auseinandernehmen, zerpfl├╝cken, und von allen Seiten betrachten. Was f├╝r den Richter Verordnungen und Paragraphen sind, sind f├╝r uns Anforderungen und technische Rahmenbedingungen. Der Richter st├╝tzt sich auf Gesetze, wo es keine Gesetze gibt, kann er nicht richten. Wir st├╝tzen uns auf Anforderungen und technische Rahmenbedingungen. Wir k├Ânnen keinen Code schreiben, wenn nicht klar ist, was der Code tun soll. Wir k├Ânnen keinen Code schreiben, der technische Unm├Âglichkeiten ├╝berwindet. Unseren Code schreiben wir wie Anw├Ąlte und Richter ÔÇö klar, pr├Ązise und ohne Kompromisse zuzulassen. Aber das ist nicht immer so.

Manchmal m├╝ssen wir wie Schriftsteller weit ausholen und viel Fantasie zulassen. Dann m├╝ssen wir einfach anfangen zu schreiben. Mit Idee aber ohne Plan. Wir beginnen zu schreiben, aber wir kennen das Ende noch nicht. Erst im Laufe des Schreibens merken wir, was wir schreiben wollen. Am Anfang haben wir nur den leeren Bildschirm vor uns, mit einem Anfang aber ohne Ende. In einem Punkt sind wir schlechter dran als der Schriftsteller. Unsere Geschichte wird nie fertig. Sie geht immer weiter und weiter. Und nicht nur das. Nicht mal auf den Anfang k├Ânnen wir uns verlassen. Jederzeit kann der Anfang ├╝ber den Haufen geworfen werden, ein Mittelteil kommt hinzu oder eine neue Hauptfigur wird eingef├╝gt. Je besser und erfolgreicher unsere Geschichte ist desto schneller passiert das.

Manchmal m├╝ssen wir exakt und pr├Ązise sein. Manchmal m├╝ssen wir einfach drauflos schreiben, vorpreschen ohne genau zu Wissen wohin. Wir m├╝ssen erkennen wann es Zeit ist exakt und pr├Ązise zu sein und wann es Zeit ist draufloszuschreiben. Das sagt uns keiner.

Wir schreiben nie alleine. Immer schreiben wir unsere Geschichte mit anderen zusammen. Mal mit vielen, mal mit wenigen. Wenn wir es gut machen merkt das niemand. Keiner der die Software nutzt soll erkennen wer einen Paragraphen, ein Kapitel oder einen Band geschrieben hat. Dann sind wir erfolgreich.

Doch schreiben wir anders als der Schriftsteller oder der Jurist. Was wir schreiben sind Anweisungen an die Maschine. Die m├╝ssen korrekt sein, sie m├╝ssen der Maschine exakte Befehle geben. Die Maschine hat keine Intelligenz, alles was sie tut haben wir f├╝r sie aufgeschrieben. Aber noch mehr als das.

Was wir schreiben muss lesbar sein. Jederzeit m├╝ssen andere an jedem Punkt die Geschichte weiterschreiben k├Ânnen. Dazu m├╝ssen sie rasch verstehen worum es geht, sie m├╝ssen den Plot und die Hauptpersonen erkennen k├Ânnen. Ja sie m├╝ssen auch in der Lage sein, die Geschichte in der Art und Weise weiterzuschreiben, wie es andere zuvor getan haben. Nur dann wird es eine Geschichte und nicht viele kurze Geschichten aneinander gereiht.

Unter keiner unserer Geschichten steht unser Name. Vom Pophit kennt jeder die Band, vom Bestseller den Autor. Uns kennt keiner. Das ist auch gut so. Wir wollen nicht bekannt sein, nicht gefeiert werden. Wenn unsere Arbeit ankommt, unsere Software ihren Dienst gut verrichtet sind wir gl├╝cklich. Meistens.

Dieser Artikel erschien urspr├╝nglich auf medium.

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